Mittwoch, 29. August 2012

Wer hat die (Definitions-) Macht? Wikipedia muss sich neu positionieren

Fakt: 80-90 % der VerfasserInnen und EditorInnen sind Männer. Was ist los bei Wikipedia? Im Netz wird heftig über die antifeministische Kampagne gebloggt. Ist das wirklich so ein sexistischer Kackverein, der Frauen die mitarbeiten möchten, wegmobbt? Sieht ( fast ) so aus.

Fiona Baine wagt sich an Genderthemen

Die Wikipedia-Nutzerin “Fiona Baine” nahm sich gemeinsam mit anderen NutzerInnen im letzten Monat Themen wie “Matriarchat”, “Männerrechtsbewegung”, “Arne Hoffmann”, “Antifeminismus” und “Manndat” an. Diese Artikel hatten bereits existiert, strotzten aber nur so von Einseitigkeit. Gerade in letzter Zeit hat aber auch die Beschäftigung mit dem Themengebiet “Maskulisten” zugenommen, berichtet Andreas Kemper. Das sollte noch ein Nachspiel für sie haben.

Editierschlacht, Drohungen und Schwanzbilder


Es entwickelte sich eine Editier-Schlacht mit deftigen Angriffen auf Frau Baine ( Beleidigungen, Emails mit Nacktbildern und sexuellen Handlungen, Veröffentlichung von Klarname und Adresse, Briefe an den Mitbregründer Jimmy Wales), die darin mündete, dass sie ihren account bei Wikipedia Germany sperren ließ. Maskulisten feierten den "Sieg" auf Manndat. Das Wegmobben hat anscheinden Methode. Laut Kemper machte Arne Hoffmann ( Männerechtsbewegung), vor ein paar Jahren auch auf die Wikipedia-Autorin “Barb” aufmerksam, die damals im Wikipedia-Themenbereich “Antifeminismus” schrieb und sich nach massiven Mobbing schließlich aus der Wikipedia 2006/ 2007 verabschiedete. DieStandard -Wikipedia-Digitaler-Friedhof-fuer-kritisches-Wissen

Charlott von femgeeks erläutert das Problem der Definitionsmacht bei Wikipedia. wessen-wissen-in-der-wikipedia ?
"Herrschaftskritisches Wissen aus einer Quelle zu nehmen, die sich dadurch auszeichnet, das sie diskriminierende Strukturen reproduziert, kann einfach nicht funktionieren."
Katrin Rönnicke von Netzfeminismus.com fordert:Gebt uns Rückendeckung, Vernetzungsstruktur und schafft Strukturen


Vorschläge zur Verbesserung

Äußerst ausführlich nehmen die femgeeks die deutsche Wikipedia unter-die-lupe. Nicht nur der Ist-Zustand und die wikipedia Reaktionen auf den Schlamassel werden untersucht, sondern auch  konkrete Vorschläge und Sanktionen unterbreitet. Schulungen, Diskiminierungsbeauftragte und die Aufhebung des generischen Maskulinums ( momentan ein Muss bei Wiki ), sollen dazu beitragen die Zukunft von Wikipedia frauenfreundlicher zu gestalten.

Maskulisten rüsten auf

Doch so einfach wollen es die Maskulisten den Frauen nicht machen und son Quatsch wie vernünftig diskutieren oder über Misstände sprechen, kommt denen gar nicht in die Tüte. Sie rüsten lieber auf. Dazu gehört nicht nur ein Banner das für eine Ideologiefreies Wikipedia werben soll.








Es gibt auch wilde Verschwörungstheorien über Fiona Baine und von einer Website Feminazis.info wird gesprochen. Die den Zweck haben soll, in Zukunft Klarnamen und Adressen von Feministinnen, sowie die Adressen von Frauenhäusern zu nennen! WTF!!! Ich hoffe das ist nur ein Gerücht und besagte Seite geht niemals online. Das die hasserfüllte und misogyne Sprache weit über die Kritik an feministischen Positionen hinaus geht, steht allerdings außer Frage. Kommentar von Referatsleiter 408 am 16.8. 2012 im Forum wgvdl zur neuen Website feminanzis.info:
“Hier wird nicht nur gedroht! Es gibt Männerrechtler, die drohen nicht nur, die machen das einfach und das ist auch gut so! Je mehr Bitterfo**en aus dem Dunkel gerissen werden, umso eher wird dieses Land wieder sauber von diesen Drecksfeminstinnen!”

Andreas Kemper berichtet ausführlich über die antifeministische Kampagne  und die Solidaritätsbekundungen aus der rechten Ecke.

Wikimedia bekundet Solidarität

Neueste Entwicklung: Julia Kloppenburg von Wikimedia äußerte sich gestern zur-sexismus-debatte-in-der-wikipedia
"Mit großem Erschrecken haben wir in den vergangenen Wochen den Verlauf einer koordinierten aggressiven Kampagne inner- und außerhalb der Wikipedia verfolgt, die in sexistischen Beschimpfungen und Demütigungen gipfelte. Gefördert durch Teilnahmslosigkeit und fehlende Solidarität führte diese Kampagne zur Vergrämung von Benutzerinnen in der Wikipedia. Das ist beschämend."
Der Verein Wikimedia distanziert sich von der antifeministiscen Kampagne bei Wikipedia. Er hat zwar keine Entscheidungsgewalt in Wikipedia Deutschland, aber gibt immerhin ein Signal in die richtige Richtung. Eine Mailingliste für eine konstruktive Diskussion wurde eingerichtet. Ich bin gespannt wie "konstruktiv" es weiter geht.



Kommentare:

  1. " Aufhebung des generischen Maskulinums ( momentan ein Muss bei Wiki ),"

    Öhm nein...

    "nur" korrektes Deutsch...

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  2. Komisch das Sprachwissenschaftler denen eine korrektes Deutsch am Herzen liegen müsste, die Aufhebung befürworten. Sprache ist dynamisch. Weniger Beißreflex bei Wiki= mehr Diversität. http://lippyanswer.blogspot.de/2012/08/feminismus-teil-2-generisches-maskulinum.html

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