Dienstag, 17. Juli 2012

Keine Prinzessin- Die Moral von der Geschichte ist...

Darf dein Kind Disney sehen? Ich liebte als Kind die Disney-Märchen. Nicht wegen der schönen Kleider, die waren zwar nett anzusehen, aber nicht für die Geschichte wichtig. Die Frauen erlebten Abenteuer! Sie lebten in Zauberwäldern oder im Meer, kämpften gegen Feinde und es gab Magie! Nur das Ende gefiel mir meistens nicht. Warum immer geheiratet werden musste, war mir unklar. Der Prinz war meistens schmuckloses Beiwerk. Haben sie die ganzen Abenteuer etwa nur überlebt um sich dann dem geordnetem (langweiligen) Ehe-Leben in einem Schloss zu fügen? Schon als Kind hatte ich das Gefühl, daran ist irgend etwas faul. Bei näherer Betrachtung sogar mehr als das.


Arielle 
lebte im Meer- Sie war das Tollste was ich mir in meinem kindlichen Kopf vorstellen konnte- eine Meerjungfrau! Ich habe nie verstanden warum sie die zauberhafte Unterwasserwelt für den Prinzen aufgab. Vielleicht ein Krankenschwester-Komplex weil sie ihn rettet?
Message: Für die Liebe musst du bereit sein alles zu geben und musst auch Schmerzen ertragen ohne zu klagen ( keine Stimme! ). Erwarten darfst du nichts.


Schneewittchen
war auf der Flucht und versteckte sich bei 7 kleinen Männern im Wald die sie vergötterten und bedienten. Das Düstere im Wald und die ständige Bedrohung durch die missgünstige Königin fand ich sehr aufregend. Bereits damals hatte ich Erfahrung mit neidischen Mädchen und konnte mitfühlen, wie allein frau sich dabei fühlen kann.
Message: Andere Frauen sind deine Feindinnen. Bist du schön, so beneiden Sie dich. Männer sind deine Komplizen, sie müssen dich vor deinen Feindinnen beschützen / retten, sonst hast du keine Chance.

Die Schöne und das Biest
Sie lebt mit einem garstigem Ungeheuer zusammen, der Sie erpresste und als Geisel nahm. Diese Beziehung erschien mir komischerweiser immer am realistischsten. Ich dachte, hau ab und überlass den garstigen verwunschenen Prinzen doch seinem traurigem Schicksal. Er behandelt dich doch nicht gut. Erzwungene Liebe ist scheiße und einen herzlosen Prinzen kann man eh nicht ändern, Biest bleibt Biest.
 Message: Männer sind garstig und wir Frauen sind dazu da, das Beste aus Ihnen herauszuholen *würg*

Disneys Cinderella
ist ein recht zeitgemäßes  Märchen. Die Frau versucht sich gesellschaftlich zu verbessern. Aus Armut und Drecksarbeit aussteigen, in dem Sie einen reichen Mann heiratet. Sie redet sich ein ihn zu lieben, dabei kennt sie ihn doch gar nicht.
Message: Pragmatisch. Schaff dir eine romantische Illusion und heirate den reichen Mann, dann musst du nie mehr den Kamin putzen.

Mulan
Man merkt gleich, ein neueres Märchen aus dem Hause Disney. Heiraten findet sie doof. Sie will lieber für ihre Familie in der Armee kämpfen und verkleidet sich als Mann. Kleiner Wehrmutstropfen, eine ganze Frau ist man nur, wenn man die Fähigkeit zu lieben und der Hingabe hat. Ohne Romanze kommt dieses Action-Märchen leider nicht aus.

Die Märchen sind voller Klischees. Aber deshalb würde ich sie nicht gleich dem Kind verbieten. Es werden dadurch nicht alle zu rosa Prinzessinnen und wollen gerettet werden. Disney-ferne Märchen (vor allem die tschechischen sind voller starker Frauen ) tragen dazu bei, ein vielschichtigeres Bild von der Frau und ihrer Rolle in der Gesellschaft zu zeichnen.

by Dan O’Brien and Matt Barrs


Meine Lieblingsmärchen:

Aschenbrödel und die 3 Zaubernüsse
feministische Cinderella. Sie verkleidet sich als Jäger, streift durch die Wälder und lässt den Prinzen regelmäßig abblitzen. Er muss sich ihre Zuneigung erst verdienen.
Message: Du bist etwas Besonders. Nimm dein Schicksal selbst in die Hand. Wenn du einen Prinz willst, biederst du dich nicht bei ihm an, sondern zeigst ihm einfach wer du bist. Entweder er mag es, oder hat er hat Pech gehabt. *Yeah!*

Ronja Räubertochter
Sie singt und flucht und macht als Tochter eines Räuberhäuptlings was sie will. Sie ist sogar mutiger als ihr kleiner Freund vom gegenerischen Räuberclan.

Pipi Langstrumpf
Sie lebt allein, ist Dank einer Truhe voller Gold unabhängig, hat Bärenkräfte und niemals Angst, Sympathisch, sie schläft verkehrt herum im Bett.
Die Message muss man wohl nicht weiter erklären. ;-)

Und es gibt Hoffnung aus dem Hause Disney/Pixar- Brave. Junge Prinzessin flieht von zu Hause, weil sie nicht wie ein Pferd für eine Heirat verschachert werden will. Der Unterschied zu Mulan, so viel sei verraten, auch später heißt es No Romance. Das klingt doch viel versprechend. Leider deuten einige Kinokritiker die Abwesenheit eines Prinzen als Homosexualität. Ein uralter Vorwurf á la, "Männer sind nicht ihr Lebensinhalt? Dann muss Sie lesbisch sein!". Die Antwort darauf von Chris Heller auf The Atlantic.

[Edit: Über Mädchenmannschaft habe ich den Link zu Nerve- wie feministisch sind die Disney-Prinzessinen gefunden. Merci.
Interessant sind auch die Antagonisten der Disney-Prinzessinnen- ihre machtvollen weiblichen -Gegenspielerinnen betrachtet von Autostraddle.]




Kommentare:

  1. Drei Haselnüsse für Aschenbrödel war auch mein Lieblingsmärchen als Kind. Schade an den Film finde ich nur,dass "böse" Charaktere auch automatisch "hässlich",bzw. nicht der Norm entsprechend (übergewichtig, kein Kindchen-Schema wie bei der Aschenbrödel-Schauspielerin) dargestellt werden. Und zu Pippi Langstrumpf: Die Filme und Bücher sind z.T. krass rassistisch,das sollte man nicht ausblenden,vor allem nicht wenn man das zusammen mit Kindern schaut.

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  2. Also ehrlich gesagt ist mir das bei Pipi nicht aufgefallen. Vielleicht sollte ich es mir noch mal ansehen, aus erwachsener Perspektive. Meinst du als sie nach Takkatukka fahren?

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